Radiologie Koblenz Aktuell

In Koblenz startet Forschungsprojekt MS-Erkrankung

Fachhochschule Koblenz und ambulante medizinische Einrich-tungen arbeiten in gemeinsamer Studie an besserer Therapie

Vertragsunterzeichnung zum neuen MS-Forschungsproj Detlev Gliedstein (Leit. Med. Technischer Assistent), Prof. Dr. Heiko Neeb (Fachhochschule Koblenz), Radiologe Dr. med. Jochen Schenk und der Koblenzer Neurologe Dr. Andreas Böer (von li. nach re.) werden gemeinsam an neuen Erkenntnissen zu Multipler Sklerose arbeiten.

Gibt es bisher nicht entdeckte Schlüsselinformationen, um Multiple Sklerose früher und gezielter behandeln zu können? Dieser Frage geht eine wissenschaftliche Studie der Fachhochschule Koblenz in Zusammenarbeit mit dem Radiologischen Institut Hohenzollernstraße Koblenz sowie der Koblenzer Neurologischen Praxis Dr. Böer nach. Hoffnungen auf neue Erkenntnisse weckt das Forschungsprojekt vor allem durch den Einsatz modernster Diagnosetechnik und neuer, an der Fachhochschule entwickelter Analysemethoden. Mit der Unterzeichnung des Kooperationsvertrages wurde jetzt der Startschuss für die universitär-ambulante Zusammenarbeit gegeben.

Multiple Sklerose ist eine entzündliche Autoimmunkrankheit, deren Symptome von Kribbeln und Taubheitsgefühl in den Gliedmaßen bis hin zu Lähmungen und Erblindung reichen können. Das Voranschreiten, das Ausmaß und die spezifischen Symptome der Krankheit können bislang nicht vorhergesagt werden. „Und hier setzen wir mit unseren neuen Verfahren an“, erklärt Studienleiter Prof. Dr. Heiko Neeb vom Rhein-Ahr-Campus, zu dessen Schwerpunkten die Quantitative Bildgebung bei Multipler Sklerose gehört.

Im Fokus haben die Forscher und Mediziner in ihrer Studie die vielfachen (multiplen) entzündlichen Herde, die vermutlich durch den Angriff körpereigener Abwehrzellen verursacht werden und sich im gesamten zentralen Nervensystem (Kopf, Rückenmark) finden. Bei der Untersuchung des Kopfes z.B. erscheinen die Herde in der Kernspintomographie als weiße Flecken. „Die Medizin steht im Moment vor dem Rätsel, dass Patienten mit ähnlich vielen und ähnlich großen Flecken eine völlig unterschiedliche Symptomatik zeigen können“, gibt der Neurologe und MS-Experte Dr. Andreas Böer den aktuellen Forschungsstand wider.

Ähnlich wie bei einer Blutuntersuchung versuche man für diese Flecken nun weitere, aussagekräftige Parameter zu finden, so Prof. Neeb. Dazu werden die Patienten im Rahmen ihrer Routineuntersuchungen mit einem der weltweit modernsten Kernspintomographen im Radiologischen Institut Hohenzollernstraße untersucht. Das Gerät verfügt über eine Feldstärke von 3-Tesla, was dem 60.000-fachen der Erdanziehungskraft entspricht. „Damit sind Auflösungen von unter einem Millimeter und somit völlig neue Erkenntnisse in der Diagnostik möglich“, beschreibt der Radiologe Dr. Jochen Schenk die technischen Gegebenheiten.

Für die Forscher in Remagen – darunter Absolventen und Studierende der angewandten Physik, Mathematik und Medizintechnik – bietet das in Koblenz angefertigte und qualitativ extrem hochwertige Bild- und Datenmaterial eine Reihe neuartiger Ansatzpunkte zur Erforschung der Erkrankung. Mittels spezieller, bisher noch nicht angewandter Methoden in der Analyse erhoffen sie sich zusätzliche Erkenntnisse über die Beschaffenheit der entzündlichen Herden, deren Wassergehalt oder die Einteilung der Erkrankungsherde in gewisse Subtypen, sozusagen ‚böse’ und ‚gute’ Flecken.

Neu gewonnene Informationen mit dem tatsächlichen Ist-Zustand des Erkrankten in Beziehung zu setzen und daraus bestimmte Zusammenhänge, sog. Korrelationen, abzuleiten, gehört zu einer der wichtigsten Aufgaben der Kooperationspartner. „Wenn wir zum Beispiel erkennen, dass sich bei Patienten mit leichtem Krankheitsverlauf ganz andere Subtypen von Herden finden als bei Patienten mit schwerer Symptomatik, ließen sich daraus mit großer Wahrscheinlichkeit wichtige Rückschlüsse für eine effizientere und verbesserte Therapie ableiten“, erwarten Dr. Böer und Kollegen mit Spannung die Ergebnisse, die jedoch frühestens in ca. zwei Jahren vorliegen werden.

Etwa 50 MS-Patienten, auf freiwilliger Basis und mit entsprechender Einwilligung, sollen in die Studie einbezogen werden. Sie erwartet keine zusätzliche Belastung, da alle Daten im Rahmen der ohnehin erforderlichen Untersuchungen gewonnen werden können, versichern die Forschungspartner. „Als Fachhochschule freuen wir uns ganz besonders, dass die Kooperation mit medizinischen Einrichtungen aus dem ambulanten Bereich möglich wurde, die den hohen wissenschaftlichen Anspruch mittragen“, freute sich Prof. Neeb bei der gemeinsamen Vertragsunterzeichnung.