Radiologie Koblenz Aktuell

Kooperationsprojekt gelingt Innovation bei Erforschung von MS-Erkrankung

Sind der gezielteren MS-Diagnose gemeinsam ein Stück näher gekommen: (von li.) Dr. Schenk, Prof. Neeb, Dr. Böer.

November 2011. Ein entscheidender Schritt in der Erforschung von Multiple Sklerose (MS) ist der Fachhochschule Koblenz/Rhein-Ahr-Campus in Zusammenarbeit mit dem  Radiologischen Institut Hohenzollernstraße und dem Neurologen Dr. Andreas Böer gelungen. Eine neu entwickelte Analysemethode versetzt die Ärzte und Wissenschaftler in die Lage, den bei MS krankmachenden Myelinabbau erstmals im kompletten Gehirs äußerst präzise und im Verlauf zu messen. Das Verfahren sorgt nicht nur in der Wissenschaftswelt für Aufmerksamkeit, sondern wird auch auf der MEDICA in Düsseldorf im November erstmals öffentlich vorgestellt.

Vor zwei Jahren hatten sich die Kooperationspartner zu dem gemeinsamen Forschungsprojekt zusammen geschlossen. Mehr als 40 Patienten nahmen seither an der Studie teil. Im Rahmen der Routinediagnostik wurden sie mit einem der weltweit modernsten 3-Tesla-Kernspintomographen im Radiologischen Institut untersucht. Die Bilder waren für die Forscher am Rhein-Ahr-Campus, die sich aus Absolventen und Studierenden der angewandten Physik, Mathematik und Medizintechnik zusammensetzen, Grundlage weitergehender Analysen.

In aufwendiger Kleinstarbeit haben sie nach neuen Verfahren gesucht, um die Myelinschicht zu messen; jene fetthaltige Substanz, welche die Nerven schützt und für die Weiterleitung von Signalen sorgt. Bei MS wird diese aus bisher nicht erklärbaren Gründen abgebaut und führt so zum bekannten Krankheitsbild mit Kribbeln, Taubheitsgefühl in den Gliedmaßen bis hin zu Lähmungen und Erblindung. "Da die Myelinschicht nur etwa ein Millionstel Millimeter dünn ist, lässt sich diese selbst mit hochauflösender Magnetresonanztomographie nicht messen", beschreibt Prof. Dr. Heiko Neeb die Schwierigkeit der Forschungsarbeit.

Dennoch lieferte die neueste MRT-Technik des Koblenzer Instituts die Grundlage für den Forschungserfolg. Denn damit war es erstmals möglich in nur einem Untersuchungsdurchgang in kurzer Zeit das komplette Gehirn abzubilden, was vorher nur in kleinen Teilschichten untersucht werden konnte. Anhand dieses umfassenden, hochwertigen Bild- und Datenmaterials gelang es den ambitionierten Wissenschaftlern eine Software zu entwickeln, die, vereinfacht dargestellt, in einer Farbskala von eins bis hundert den Myelingehalt darzustellen in der Lage ist. In Routineuntersuchungen, denen sich die Patienten regelmäßig unterziehen, lässt sich somit der Verlauf des Abbaus aussagekräftig dokumentieren.

In einem zweiten Schritt geht es nun darum, die klinische Relevanz dieses Verfahrens unter Beweis zu stellen. "Wenn sich zeigt, dass sich mit der Messung des Myelinabbaus in den verschiedenen Hirnregionen Aussagen über den Verlauf der Krankheit treffen lassen, dann bedeutet dies für die Diagnose und deren Verlaufskontrolle einen enormen Fortschritt", so Dr. med. Jochen Schenk vom Radiologischen Institut Hohenzollernstraße zur Bedeutung des gemeinsamen Projektes.

Interesse an der neuen Analysemethode zur Myelinmessung gibt es bereits seitens verschiedener Krankenhäuser und Universitätskliniken. Die Aussichten stehen gut, dass die Koblenzer Forscher und Ärzte somit einen weiteren Grundstein für die gezieltere Diagnose von Multipler Sklerose gelegt haben.